Einige Gedanken…

Gedanken über Bach und die Musik…

Die ganze Welt ist mit dem unheilbaren Bedürfnis nach Musik „infiziert“ worden! Warum liegt uns so viel an der Musik? Was ist das für ein Erlebnis, das sie im Menschen weltweit hervorruft, sodass sie eine so besondere Rolle spielt? In den folgenden Zeilen möchte ich meine Ansicht zum Thema mitteilen, denn eine solche Ansicht bzw. das Fehlen einer, meiner Meinung nach, den Künstler als solcher sehr stark prägt und dem Publikum eine genauere Vorstellung über ihn verschafft. Bevor ich aber dieses Thema konkret angehen kann, möchte ich uns noch etwas vergegenwärtigen.

Allgemein über die Künste

Von Alters her unterscheidet man grundsätzlich zwei Gruppen von Menschen: Geistige und Materialisten. Die ersten glauben an Jenseits, an eine Welt, die man nicht wahrnehmen kann, welche eigentlich die Reale sein soll; die zweiten glauben nur daran, was mit unseren fünf Sinnen wahrgenommen wird- alles außerhalb dieser Wahrnehmung sei eine Illusion. Die eine Gruppe behauptet  alles sei Geist, die andere – alles sei Materie. Diese zwei Blickwinkel sind, meiner Meinung nach, der Hauptgrund für viele der heutzutage existierenden Widersprüche im gesellschaftlichen Leben sowie im Leben des Einzelnen. Geist und Materie sind zwei Prinzipien, die ohne einander zum Ausdruck nicht kommen können. Das Leben ist ein Ergebnis, ein Geflecht von dem Zusammenwirken der beiden. Die Idee von der Vase kann ohne Lehm nicht realisiert werden; von Lehm kann ohne eine  Idee auch nichts Sinnreiches zustande kommen.  Und theoretisch scheint dies auch selbstverständlich und unproblematisch abzulaufen, in der Praxis aber erweisen sich beim Zusammenwirken dieser zwei Lebenseinstellungen immer noch Schwierigkeiten. Die Kunst  dient einerseits zur Abbildung dieser beiden Blickwinkel, andererseits ist sie, meiner Ansicht nach, eine  Methode, um diese zu vereinigen. In der Architektur, in der Bildhauerei und in der Malerei ist das Kunstwerk mit den physiologischen Sinnen (Sehen) wahrzunehmen; in der Dichtung ist das Kunsterlebnis jedoch nur durch unsere Vorstellung möglich. Doch kann diese Vorstellung nur dann in unserem Bewusstsein aufgehen, wenn wir zuerst das Gesprochene bzw. das Geschriebene physisch wahrgenommen haben und aus früheren physischen Wahrnehmungen im Gedächtnis eine Vorstellungswelt aufgebaut haben, welche uns die Bilder für die aktuelle Vorstellung verleihen soll. Dies kann sich auch hierauf übertragen: das physisch Wahrgenommene – ein Gebäude, eine Skulptur, ein Bild oder Ähnliches- bevor es als Kunstwerk verstanden und genossen werden kann, muss es unsere Vorstellungswelt betreten, dort zu ähnlichen Kategorien eingeordnet und mit denen verglichen werden. Also müssen auch die physiologische Wahrnehmung und die geistige Vorstellung zusammenwirken, damit ein Kunsterlebnis in uns entstehen kann. Daher erlaube ich mir die Kunst als eine Methode zu betrachten, welche zum Aussöhnen der Widdersprüche im persönlichen sowie im gesellschaftlichen Leben entstanden ist und diesem dienen sollte. Der Unterschied liegt also nur darin, dass bei der einen Gruppe von Künsten die physiologische Sinneswahrnehmung die Hauptrolle spielt und die geistige Vorstellung nur als Ergänzung dazukommt und bei der anderen Gruppe dies umgekehrt abläuft. Welcher dieser beiden Gruppen soll die Musik zugeordnet werden?

Über die Musik

Die Besonderheit der Musik liegt in der Unmittelbarkeit ihres Wirkens. Durch die Töne entsteht im Menschen eine lebendige Vorstellung, welche das Kunsterlebnis entflammt. Das kann aber auch nur durch den physisch wahrgenommenen Klang verursacht werden. Wenn wir ein Bild oder eine Skulptur nur physisch anschauen, ohne diese dabei auch mit unseren Gedanken und Bewusstsein wahrzunehmen, kann das Kunsterlebnis nicht stattfinden; entsprechend auch bei der Dichtung. Indem wir aber auch unser Bewusstsein „einschalten“, können wir beim Bild oder bei der Skulptur auch das physisch Wahrgenommene künstlerisch genießen, wobei bei der Dichtung dies nicht möglich ist. Die ausgesprochenen Worte an sich bringen keinen Genuss im künstlerischen Sinne.  Beim Musikalischen existieren diese Bedingungen nicht- sobald der Klang des Gespielten unsere Sinne erreicht, entsteht sofort ein Kunsterlebnis, ohne dass wir unser Bewusstsein einsetzen müssen (gilt allerdings nur bei live Musik). Wenn wir dieses doch einsetzten, passiert dann nur eine Verstärkung des Erlebnisses. Warum ist das nur bei der Musik so? Worin unterscheidet sich die Musik von den anderen Künsten?
Ich unterscheide vier Träger einer künstlerischen Idee- der feste Stoff, die Bewegung, die Farbe und der Klang. Auch im menschlichen Wesen unterscheide ich vier Schichten des Kunsterlebnisses – die physiologischen Sinne, die  Gefühle, die Gedanken und das Bewusstsein. Meiner Meinung nach, besteht eine Entsprechung zwischen diesen beiden Gruppen. Was macht ein Mensch, wenn er vor jemandem etwas zum Ausdruck bringen möchte? Er könnte vor ihm einfach stillstehend bleiben oder gewisse Bewegungen einsetzen oder etwas in der Umgebung zeigen, damit er seine Idee vermitteln kann. Schließlich kann er sich auch mit dem Klang bedienen. Die Position  „stillstehend da sein“ reizt nur bedingt die physiologische Wahrnehmung des Beobachters. Die Bewegungen drücken vor allem einen emotionalen Zustand aus – z.B.  „Stopp, ich habe Angst vor dir“ oder „Komm, ich will dich kennenlernen“ usw. Die bewirken zuerst einen Impuls, einen Gefühlszustand beim Beobachter und erst im Anschluss erscheint der dazu entsprechende Gedanke. Wenn man auf etwas zeigt, spricht man zuerst die Gedankenebene des Menschen an- der Beobachtende fragt sich erstmal, was mit dem Gezeigten gemeint sein könnte und erst danach wird das mit den damit verbundenen Gefühlen „gefärbt“.  Durch Klänge bzw. Ausrufe wie „Ach!“, „Oooh“, „Hey!“, „Aaah“, „Psst“, „Hmm“ oder auch durch ein einziges Wort – wird direkt das menschliche Bewusstsein angesprochen. Bei dem Rest beobachten wir mehrere Etappen der Wirkung, die sogar in Zeitabständen nacheinander erfolgen. Denn sie erreichen zuerst die Sinneswahrnehmung, dann die Gefühlsempfindung und den Gedankenprozess. Diese drei können wir, die Menschen, die „ Ich-Wesen“ mit Selbstbewusstsein, bewusst beobachten. Jeder psychisch gesunder Mensch kann seine Sinneswahrnehmungen von einer Metaebene  „beobachten“- z.B. „Jetzt sehe ich ein Haus“. Jeder psychisch gesunder Mensch kann genauso seine Gefühle beobachten – z.B. „Jetzt erlebe ich Freude“. Jeder psychisch gesunder Mensch kann seine Gedanken „beobachten“ bzw. reflektieren – z.B. „Jetzt denke ich an meine Kinder“. D.h. die stellen etwas dar, das nicht mit unserem Wesen identisch ist. Die sind nur „die Fenster“, durch welche unser Wesen das Leben beobachtet und wahrnimmt. Was ist das aber, was es beobachtet? Dieses, womit die physiologischen Sinne, die Gefühle und die Gedanken von uns aus einer Metaebene beobachtet werden, ist das Bewusstsein selbst. Daher erlaube ich mir folgende Zuordnung: dem festen Stoff entsprechen die physiologischen Sinne, der Bewegung – das Gefühl, der Farbe – die Gedanken und dem Klang – das Bewusstsein. Da der Klang direkt das Bewusstsein anspricht, d.h. unser Wesen erreicht, existiert diese Wirkungsverzögerung nicht- man begreift sofort das physisch Wahrgenommene und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle entstehen gleichzeitig damit. Ja, nicht nur die Außenwelt, sondern auch das Bewusstsein kann Gedanken, Gefühlen und sogar Sinneswahrnehmungen hervorrufen. Darin liegt die Unmittelbarkeit und die Macht der Musik- sie wirkt nicht von außen nach innen, sondern der Mensch wird durch die Musik dazu getrieben, selber Gefühle, Gedanken und sogar auch Sinnesempfindungen zu schöpfen. Beim musikalischen Erlebnis laufen die oben beschriebenen Prozesse im Menschen eher unbewusst. Er spürt aber, dass es etwas Besonderes in ihm bewirkt, etwas, was er gebraucht hat, was ihn aus dem seelischen Schlaf erweckt und lebendig macht.  Das musikalische Erlebnis stellt eine Verkörperung des Lebens des tiefsten Wesens des Menschen dar. Passiert dies immer, bei jedem Musikstück und mit jedem Menschen?

Über Bach

In jeder der Kunstarten kann die oben erläuterte Polarisierung weiter beobachtet werden. Jedes Kunstwerk hat entweder einen materiellen oder einen geistigen Beweggrund ihres Entstehens. Hier ist auch die Musik keine Ausnahme. Seitdem Musik geschrieben wird, teilt sich diese immer in zwei Hauptrichtungen – weltliche und geistige Musik. Der ersten liegt als Entstehungsbeweggrund das Wohlbefinden der Sinne und des Gemüts zugrunde. Der  zweiten liegt als Entstehungsbeweggrund gewisse Idee bzw. ein Erleuchten des Bewusstseins zugrunde. Je nach Art der Entstehung übt diese Musik auf den Zuhörer auch unterschiedliche Wirkung aus: Die eine bietet Genuss für die Sinne und das Kunsterlebnis findet vorwiegend auf der Gefühlsebene statt; die andere bietet Genuss für das Bewusstsein und das Kunsterlebnis ist vorrangig mit Gedankenprozessen verbunden. Die Beispiele sind an der Stelle wirklich zahlreich, ich werde nur die eindeutigsten erwähnen. Musik des Sinnes- und Gemütswohlbefinden: Fast alle aktuellen Pop-Songs sowie fast die ganze Unterhaltungsmusik, inklusiv Blues, Jazz und ihre Unterteilungen. Musik der Gedanken: Zwölftonmusik und die meisten Werke der aktuellen Welle, die durch neue Kompositionsmethoden neue musikalische Erlebnisse  zu entdecken anstreben. Meiner Empfindung und Ansicht nach sind die Werke von Anton Weber als ein gutes Beispiel für „Musik der Gedanken“ herauszustellen. Ein Genie des Denkens. Bei diesen musikalischen Kunstwerken kann rein mental die Struktur bzw. die Gruppierung der Töne  genossen werden.  Ein Genuss aber für das Gemüt, eine „Nahrung“ für das Herz, bietet diese Musik eben nicht. Unter dem Oberbegriff klassische Musik, welcher Renaissance-, Barock-, klassische und romantische Musik mit allen ihren Zweigen einschließt, verbirgt sich meiner Ansicht nach (mit wenigen Ausnahmen)diese Musik, welche beide Ebenen – die Gefühls- und Gedankenebene – in sich hat und entsprechend beide gleichzeitig berührt und in das Kunsterlebnis zusammen miteinbezieht.  Die Musik, in der das gesunde Gleichgewicht spürbar ist bzw. die Musik, welche meiner Meinung nach, den erhabensten Einfluss auf den Menschen übt. Erhaben, da sie dem Menschen ein wahres Verständnis sowie eine wahre Empfindung für das Wesentliche und das Wertvolle im Leben verleiht. Ja, ein Verständnis und eine Empfindung. Denn jede Musik, bewusst oder unbewusst für den Zuhörer,  verleiht gewisses Verständnis und gewisse Empfindung für die Bewusstseinseinstellungen zum Leben.  Es gibt Musik, die Aggression fördert; es gibt Musik, die das Cool-sein fördert; es gibt Musik, die das Essen, das Trinken und den Besitz hoch lobt; es gibt Musik, die zur Sinnlosigkeit des Lebens führt; es gibt Musik, die zum Verlieben treibt; es gibt Musik, die ein Trauererlebnis vermittelt; es gibt Musik, die ein Freudeerlebnis anschafft; es gibt Musik, die die Natur hoch lobt; es gibt Musik, die einen pessimistischen Blickwinkel zum Leben  vermittelt; es gibt Musik, die den Zuhörer in eine seelische Verfassung  versetzt, sodass er die Vollkommenheit des Seins betrachtet und genießt usw. Die Musik ist ein großer Prediger, ist eine Kraft, die unheimlich viel in der Entwicklung der Menschheit bewirkt! Große Worte, die sich für diejenigen, die sich damit noch nie befasst haben, sicherlich übertrieben anhören, aber nach genauer Beobachtung doch als wahr erweisen.  Diese allgemein genannte klassische Musik enthält in sich ebenso die obige Einteilung, aber nur innerhalb des balancierten Zusammenwirkens von Gedanken und Gefühlen. Hier unterscheide ich Musik, in der der Gedanke die führende Rolle und das Gefühl eher die begleitende spielt und umgekehrt. Dieses spiegelt sich auch in den zwei großen kompositorischen Leitfäden – Melodie und Harmonie. Das Melodische ist das Gesprochene, das Gedachte, und das Harmonische ist die emotionale Entwicklung. Durch eine melodische Phrase kommt ein Satz, ein Gedanke zum Ausdruck und die Harmonie setzt jeden Ton der Melodie in ein gewisses Spannungsfeld, bestimmt seine Art- ob harmonisch oder disharmonisch, ob er Spannungsträger oder Auslöser ist usw. Das Harmonische bestimmt das Gefühl, welches der Ton vermitteln soll. In der klassischen und in der romantischen Musik ist das Harmonische der führende Faktor.  Also hat das harmonische Denken beim Aufbau dieser Werke die führende Rolle gehabt. Im Gegensatz dazu in der Renaissance- und Barockmusik spielt diese Rolle die Polyphonie, das Melodische und das Zusammenwirken mehrerer Melodien- dies ist das Aufbauprinzip in der damaligen Zeit gewesen. In meiner Betrachtung spielten die Idee und das Erweitern des Bewusstseins bei der Entstehung  der Renaissance- und der Barockmusik eine führende Rolle; in der klassischen Musik ist dies das sinnliche Wohlbefinden und in der romantischen Musik – die Emotion bzw. das Gefühl gewesen. D.h. wir betrachten in der Geschichte der Musikentwicklung einen Übergang vom Gedanken und von der Idee zum sinnlichen Wohlbefinden und zur Leidenschaft. Und heutzutage wiederum, in der modernen ernsten Musik, wird eine Rückkehr zum Gedanken und zur Idee versucht, wobei aber, meiner Meinung nach, das sinnliche Wohlbefinden ausgeschlossen wird und als Folge dessen auch das dabei entstehende Gefühl  nicht wirklich genießenswert wird. Was ist das Ziel dieser ganzen Entwicklung? Was soll am Ende erreicht werden? Das Ziel, wie immer, ist die Vollkommenheit sowie das höchste Kunsterlebnis. Die Vollkommenheit kann, meiner Meinung nach, nur dann erreicht werden, wenn die Töne in absolutem Gleichgewicht und in Einklang zwischen Idee, Gedanken, Gefühl und sinnlichem Wohlbefinden zusammengeführt werden. Und damit das höchste Kunsterlebnis stattfinden kann, muss eine solche Musik von einem Interpret wiedergegeben bzw. von einem Zuhörer genossen werden, der in sich diese vier auch im Einklang gebracht hat. Es sind also drei Komponenten für die Realisierung des höchsten Kunsterlebnisses notwendig – Komposition, Interpret und Zuhörer. Der letzte und das in ihm Bewirkte stellen das Ziel dieses Prozesses dar. Damit der Interpret und der Zuhörer dieses grundsätzlich erleben können, muss zuerst die entsprechende Komposition erschaffen werden.  Existiert schon eine solche Musik, oder müssen wir darauf warten, dass diese entdeckt wird? So gestellt, lässt sich diese Frage schwer beantworten, deswegen stelle ich sie anders: Gibt es schon diese Musik, wo das Melodische und das Harmonische, Polyphonie und Harmonie sich in absolutem Gleichgewicht befinden? Meiner Meinung nach- ja! Die einzige Musik, in der nur schwer bestimmt werden kann, ob das Horizontal oder der Vertikal (d.h. die Harmonie oder der Kontrapunkt) führt; die einzige Musik, bei der beide Blickwinkel gleich glaubwürdig sind und doch nicht ausreichen, weil sie sich ergänzen; die einzige Musik, in derer Entwicklung Gedanke und Gefühl, Idee und Sinne sich in absolutem Gleichgewicht und Einheit befinden, ist diese von  Johann Sebastian Bach. Meiner Ansicht nach, sind mit seinem Schaffen die vollkommensten Formen des Musikalischen der Menschheit bisher gegeben worden. Formen im breiten Sinne des Wortes, nicht im musikwissenschaftlichen. Und jetzt ist die Zeit, in der der Inhalt und der Sinn dieser Formen (grundsätzlich nicht nur dieser von Bach, sondern der ganzen klassischen Musik), vom Interpret und vom Zuhörer entdeckt und auf einer weiteren Ebene erlebt werden müssen. Neue Ausdrucksformen des Musikalischen zu suchen, betrachte ich als Zeit- und Energieverlust. Natürlich, ohne die für solche Musik gemachten Versuche, hätte ich zu dieser Schlussfolgerung heute nicht kommen können. Also alles dient einem guten Zweck. Trotzdem aber, was die Vollkommenheit und das höchste Kunsterlebnis betrifft, ist meine Ansicht in den oberen Zeilen schon mitgeteilt. Wie soll der Interpret und der Zuhörer den Weg, die Methode finden, die den Inhalt und den Sinn z.B. der bacchischen Musik ihm enthüllen kann? Da würde ich mich mit den Worten Bachs bedienen und damit beenden:  „Im Generalbass spielet die linke Hand die vorgeschriebenen Noten, die rechte greift Con- und Dissonantien dazu, damit dieses eine wohlklingende Harmonie gebe zur Ehre Gottes und zulässiger Ergötzung des Gemüths. Wo dieses nicht in Acht genommen wird, da ists keine eigentliche Musik sondern ein teuflisches Geplärr und Geleyer“(Philipp Spitta „Johann Sebastian Bach“, sechstes Buch- Die letzte Lebensperiode, Zitat von Bachs Generalbasslehre). Das versteht Bach unter Musik- auf der einen Seite die materielle „Ergötzung des Gemüts“ und auf der anderen – die geistige „Harmonie zur Ehre Gottes“. Das letzte von denen stellt auch, meiner Meinung nach, den Schlüssel zum Inhalt und Sinn dieser Musik dar, dieses, was der Interpret und der Zuhörer entdecken und erleben werden. Wobei das Wort „Harmonie“ wiederum im breiten und nicht im musikalischen Sinne zu verstehen ist.